Warum sich dumme Menschen für klug halten

Jan 12, 2023

Warum halten sich viele für besser als der Durchschnitt, obgleich sie es nicht sind? Und warum ist man selbstbewusster, wenn man weniger gut ist als andere? Je weniger man weiß, desto eher überschätzt man sich und je mehr man weiß, desto bewusster wird einem, wie wenig man eigentlich weiß. Der Dunning-Kruger-Effekt beschreibt dieses Paradoxon.

Das Video mit Anna zum Blog gibt’s auf YouTube

Warum sich dumme Menschen für klug halten. Video von Dr. Anna Kluger über den Dunning Kruger Effekt

Der dumme Bankräuber

Im Jahr 1995 raubte ein Mann am helllichten Tag zwei Banken in Pittsburgh aus.
Er trug keine Maske und die Überwachungskameras zeichneten sein Gesicht deutlich auf. Nachdem die Überwachungsvideos in den lokalen 23 Uhr Nachrichten ausgestrahlt wurden, konnte der Räuber um kurz nach Mitternacht festgenommen werden.

Überrascht, gefasst worden zu sein, murmelte dieser: »Aber ich habe den Saft getragen.« Der Bankräuber sagte der Polizei, er habe sein Gesicht mit Zitronensaft eingerieben, um es für die Überwachungskameras unsichtbar zu machen.

Seine Begründung war, dass die chemischen Eigenschaften von Zitronensaft in unsichtbarer Tinte verwendet werden und er durch das Einreiben mit Zitronensaft für die Sicherheitskameras der Bank unsichtbar werden sollte.

Selbst als die Polizei ihm das Filmmaterial seines Überfalls zeigte, wirkte er tatsächlich überrascht, dass es nicht funktioniert hatte.

Die Polizei kam zu dem Schluss, dass dieser Mann nicht verrückt war oder unter Drogen stand, sondern einfach unglaublich schlecht informiert war und sich geirrt hatte.

 

Der Dunning-Kruger Effekt

Der lustige Raubüberfall veranlasste zwei Sozialpsychologen, David Dunning, Professor für Sozialpsychologie an der Cornell University, zusammen mit seinem Kollegen Justin Kruger dieses Phänomen genauer zu untersuchen.

Sie untersuchten eine Gruppe von Studenten in mehreren Kategorien: Grammatik, logisches Denken und Sinn für Humor.
Nachdem die Testergebnisse bekannt waren, baten sie jeden Studenten, seine Gesamtpunktzahl sowie seinen relativen Rang im Vergleich zu anderen Studenten zu schätzen. Dabei stellten Dunning und Kruger etwas Faszinierendes fest.

Die Schüler, die am schlechtesten abschnitten, hatten eine stark übertriebene Vorstellung davon, wie gut sie waren.

Sie dachten, sie hätten überdurchschnittlich gut abgeschnitten, obwohl ihr Ergebnis eines der niedrigsten war. Sie waren nicht nur inkompetent, sie wussten nicht einmal, wie schlecht sie waren.

Die Schülerinnen und Schüler mit den höchsten Punktzahlen hatten eine genauere Vorstellung von ihren Fähigkeiten, aber sie machten einen anderen Fehler:

Paradoxerweise unterschätzten die Schüler mit den höchsten Punktzahlen ihre Leistungen.
Sie wussten, dass sie besser als der Durchschnitt waren, aber weil der Test für sie leicht war, nahmen sie an, dass er für alle leicht war. Sie wussten nicht, dass ihre Fähigkeiten im oberen Perzentil lagen.

Heute ist dieses Phänomen als Dunning-Kruger-Effekt bekannt.
Je weniger eine Person über einen bestimmten Bereich oder eine Tätigkeit weiß, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie ihre Fähigkeiten oder ihr Wissen überschätzt. 

Wenn man jedoch mehr über ein bestimmtes Thema weiß, sinkt das Selbstvertrauen, weil man erkennt, wie viel es über den Bereich zu wissen gäbe. Erst wenn man überdurchschnittliche Fähigkeiten in diesem Bereich erlangt, steigt das Selbstvertrauen wieder an.

 

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Warum halten wir uns für besser?

Die meisten von uns sind nicht sehr gut darin, sich selbst richtig einzuschätzen.
Tatsächlich glaubt die Mehrheit der Menschen, dass sie besser als der Durchschnitt sind.

Als Software-Ingenieure zweier Unternehmen gebeten wurden, ihre Leistung zu bewerten, stuften sich 32 % der Ingenieure des einen Unternehmens und 42 % der Ingenieure des anderen Unternehmens unter die besten 5 % ein.

In einer amerikanischen Studie bezeichneten sich 88 % der befragten Autofahrer als überdurchschnittlich gute Fahrer.

Auch wenn es Führungsqualitäten und Gesundheit geht, schätzen sich die Befragten besser als der Durchschnitt ein.

Aber warum halten wir uns für besser als andere?
Und warum ist man selbstbewusster, wenn man weniger gut ist?

Der Unterschied zwischen einem Amateur und einem Profi ist folgender:

Der Amateur ist so überzeugt von seinen Fähigkeiten, weil er keine Ahnung hat, wie viel er noch nicht weiß. Weil er nur ein wenig Wissen über das Gebiet hat, weiß er nicht, dass es sehr viel umfangreicher ist. Und weil er nicht weiß, was er nicht weiß, denkt er, er wisse bereits das Meiste.

Experten hingegen sind sich in der Regel bewusst, wie gut sie sich auskennen und was es noch alles zu wissen gäbe. Oftmals machen sie aber den Fehler, dass sie davon ausgehen, dass die anderen auch wissen, was sie wissen. Vor allem wenn diese mit einem gewissen Selbstvertrauen auftreten. Deshalb unterschätzen sie sich fälschlicherweise.

 

Wie schützt man sich vor dem Phänomen?

Wir alle sind anfällig für den Dunning-Kruger-Effekt. Wie aber können wir verhindern, dass wir ihm zum Opfer fallen? Nun, in dem Moment, da du dieses Video gesehen hast, wirst du höchstwahrscheinlich diesem Phänomen gegenüber bewusster werden.

Sich Wissen anzueignen ist demnach wichtig, aber »rezitiere« nicht bloß, was du gehört hast, sondern beobachte bewusst und erkenne und verstehe die Prozesse in dir.

  • Ich glaube, besser Bescheid zu wissen als die anderen?
  • Warum glaube ich, die anderen wüssten weniger?
  • Warum glaube ich, ich habe ein besseres Verständnis oder bessere Fähigkeiten?

Ach ja, Selbsterkenntnis. Der Schlüssel zur Lösung fast aller Probleme. Aber alle schauen lieber auf die anderen als auf sich selbst bzw. nach innen.

Eines meiner Lieblingszitate lautet: Mit Adleraugen sehen wir die Fehler anderer, mit Maulwurfsaugen unsere eigenen (Franz von Sales)

Je mehr Wissen die Menschen haben, desto mehr wird ihnen bewusst, wie wenig sie in Wirklichkeit wissen.

Mit anderen Worten: Je mehr wir über ein bestimmtes Thema wissen, desto mehr erkennen wir, wie umfangreich es ist und wie viele Dinge wir noch nicht verstehen oder wissen. Es ist ein schönes Paradoxon

Wenn wir uns nur oberflächlich mit einer Sache befassen, werden wir nie erfahren, wie viel es noch darüber zu wissen gäbe.

Im Dunning-Kruger-Experiment verbesserten ungelernte oder inkompetente Studenten ihre Fähigkeit, die Testergebnisse richtig einzuschätzen, nachdem sie minimale Nachhilfe in den ihnen fehlenden Fähigkeiten erhalten hatten. Deshalb ist es hilfreich, wenn jemand, der uns einige Schritte voraus ist, uns zeigt, was wir noch zu lernen haben.

Was können wir also aus der Forschung von Dunning und Kruger mitnehmen?

 

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Fazit 

  • Intelligenz und unsere Wahrnehmung der eigenen Intelligenz sind oft paradox.
  • Wir können nicht wissen, was wir nicht wissen, bis wir es wissen.
  • Oft ist die Erkenntnis, dass wir nichts wissen, wichtiger als die Suche nach den eigentlichen Antworten.

Habe keine Angst vor dem, was du nicht weißt.

Viele Menschen setzen Unwissenheit mit Dummheit gleich, aber das sind zwei unterschiedliche Dinge.
Ein intelligenter Mensch hat keine Angst, seine Unwissenheit zuzugeben, denn Unwissenheit kann sich ändern. Fragen können beantwortet werden. Aber: Keiner hat alle Antworten.

Und mal ehrlich: Was wissen wir wirklich? Was ist das alles? Was sind wir? Wir glauben, wenn wir Studien und Artikel lesen, wie der menschliche Körper funktioniert, dass wir unseren eigenen verstehen, bis wir feststellen, dass die Dinge für jeden ein wenig unterschiedlicher ausfallen. Wir glauben, mit dem Urknall erklären zu können, woher wir kommen und was wir sind.

Aber wenn du für einen Moment, nur für diesen, ganz ehrlich bist: Da war ein Moment, in welchem du plötzlich hier warst, und du wusstest nicht, woher du gekommen bist. Du warst einfach hier. Und irgendwann wird diese menschliche Erfahrung einfach zu Ende sein. Und du hast keine Ahnung, was damit passieren wird.

Das macht einen doch schon ein bisschen demütiger, oder?

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Über die Autorin

Anna N. KlugerDr. Anna N. Kluger: Die frühere Ärztin ist heute Autorin und zeigt mit ihrer Expertise in den Bereichen Persönlichkeitsentwicklung und Selbsterkenntnis auf klare und verständliche Weise, wie der Verstand funktioniert und sich zum Erreichen eines erfüllten Lebens einsetzen lässt.

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