Kränkung überwinden: Nimm es nicht persönlich

Apr. 1, 2026

Ein Video von mir hat in kurzer Zeit viel Aufmerksamkeit bekommen:
„Dinge nicht zu Herzen nehmen – wie du aufhörst, alles persönlich zu nehmen“.

Über 28.000 Aufrufe in nur wenigen Wochen und viele Rückmeldungen haben mir gezeigt, wie sehr dieses Thema bewegt. Dabei sind auch einige Fragen aufgekommen, weshalb ich mich entschieden habe, noch etwas tiefer einzutauchen.

In diesem Artikel zeige ich dir, wie die innere Arbeit dir helfen kann, dich von Kränkungen nicht so schnell aus der Ruhe bringen zu lassen – und wie du dabei Schritt für Schritt vorgehen kannst.

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Wenn Kränkung so tief geht

Ich war übrigens eine Meisterin darin, mir Dinge zu Herzen zu nehmen, mich zu schämen und in Selbsthass zu suhlen.
Einer meiner Lehrer sprach einmal über Scham und darüber, dass diese ganz unten auf der Emotionsskala stünde. Da war es nicht weit zur Depression, Selbstabwertung und dem Gefühl der Machtlosigkeit.

Und weil ich weiß, wie sich das anfühlt, und das niemandem wünsche, machen wir uns heute daran, einen Weg aus diesen negativen Emotionen zu finden.

Ich beziehe mich auf die Art von Kränkungen, die ich als alltäglich bezeichnen würde, also zum Beispiel:

  • dass man kritisiert wird
  • dass einem jemand nicht antwortet
  • dass man nicht wertgeschätzt wird
  • dass man nicht ernst genommen wird

Gerade bei alltäglichen Kränkungen kann die innere Arbeit ein kraftvoller Ansatz sein, weil man lernt, den gekränkten Anteil in sich wahrzunehmen, ohne sich vollständig mit ihm zu identifizieren.

Mit der Zeit kann dieser Anteil an Intensität verlieren – weil wir ihn fühlen, anerkennen und ihm Raum geben. Manche nennen das Integration, andere Loslassen.

Das Konzept dahinter ist die Annahme, dass es in uns ein Gewahrsein gibt, das von der Kränkung selbst nicht betroffen ist. Etwas, das all das wahrnimmt, ohne selbst verletzt zu sein.

Und gleichzeitig ist es wichtig zu sagen: Nicht jeder Mensch kann sofort dorthin schauen. Wenn wir stark in einer Emotion gefangen sind oder unser Nervensystem ohnehin überlastet ist, fühlt sich dieser Zugang oft weit entfernt an. Dann braucht es vielleicht erst Stabilisierung, Mitgefühl oder einfach Zeit.

Es gibt viele Ansätze und du spürst selbst am besten, was für dich funktioniert und was nicht. Wenn du den Kopf schüttelst und denkst: Das ist nichts für mich – dann ist es gerade nicht das Richtige. Wenn du dich angesprochen fühlst oder es dich interessiert, dann ist es vielleicht das, was dir gerade guttut.

Gut, was ist denn nun mein Ansatz, also das, was ich die innere Arbeit nenne?

Den Blick nach innen werfen

Was immer dir im Außen passiert, schau als Erstes nach innen.

Was wir meistens tun, ist nämlich Folgendes: Jemand kritisiert uns und sofort denken wir:
Was soll das heißen? Bin ich nicht gut genug?
Oder: Was fällt dem ein? Sieht der überhaupt, was ich hier alles leiste?

Das wäre also der gekränkte Teil von dir, der sofort reagiert.

Was du stattdessen versuchen könntest, ist Folgendes:

Halte inne.
Du kannst dir auch sagen: Stopp!

Dann beobachte objektiv:
Ah, das ist der gekränkte Teil von mir, der sich alles so zu Herzen nimmt. So reagiert dieser Teil. So fühlt er sich an.

Warum ist das wichtig?

Das alte Programm

Ich schlüssel dir das auf: Wenn du einfach reagierst wie immer, sprich, dein innerer Monolog geht los – Was fällt dem ein? Ich habe es satt! und so weiter – dann ist das dein altes Programm, das da schon seit deiner Kindheit oder Jugend ist und das wieder aktiv ist. Und du festigst es mit jedem Mal, da du es durchläufst.

Nehmen wir an, deine Eltern haben dich früher kritisiert und du hast mit deinem kindlichen Intellekt, ohne Worte formen zu können, etwas empfunden, das in etwa Folgendes bedeutet hat:

Oh nein, ich habe etwas falsch gemacht. Mama oder Papa ist böse. Ich darf das nicht mehr falsch machen.

Du bist ja von der Liebe der Eltern abhängig gewesen.

Und später projizieren wir dieses Verhalten auf die Schulfreunde, die Lehrer, die Kollegen und immer so weiter. Wir sind immer von jemandem abhängig, sozusagen. Deshalb die Angst vor Ablehnung.

Und sich Dinge zu Herzen zu nehmen, ist in dem Fall fast eine Art Überlebensstrategie.

Beim nächsten Mal mache ich es besser, damit ich nicht abgelehnt werde. Das heißt, unser Nervensystem lernt:

„Besser werden = sicher bleiben.“

Das also meine ich, wenn ich vom alten Programm spreche.

In dem Moment, da du das Programm beobachtest, stoppst du es. Es läuft nicht automatisch ab, sondern wird von deinem Bewusstsein unterbrochen.

Weil du es bewusst siehst, bist du nicht mehr drinnen.

Ich hoffe, das ist verständlich. Wenn du ein Zeuge bist, kannst du nicht mitten im Geschehen sein, nicht wahr?

Der Auftrag an deinen Verstand

Noch etwas zu dem alten Programm und warum es sich nicht einfach abschalten lässt:

Du hast deinem Verstand sozusagen den Auftrag gegeben, dich zu beschützen. Du hast gesagt:
Ich darf nicht abgelehnt werden.

Und dein Verstand, genial wie er ist, hat gesagt: Keine Sorge. Ich bin da. Ich habe deinen Auftrag verstanden und werde nicht aufhören, unermüdlich nach Lösungen zu suchen, damit das nicht passiert.

Und über die Jahrzehnte hast du unglaublich viele Strategien entwickelt.

Wir merken oft nicht einmal, was für einen neurotischen Verstand wir schon haben. Mit neurotisch meine ich, wenn dein Verstand anfängt, da draußen alles kontrollieren zu wollen, damit du dich gut fühlen kannst.

Hin und wieder mag das ja funktionieren. Aber diejenigen von uns, die schon älter sind, wissen, was das Leben so alles in petto hat – und wie wenig sich wirklich kontrollieren lässt.

Deshalb schätze ich die innere Arbeit. Weil wir lernen, unser Wohlbefinden unabhängig von äußeren Umständen zu machen.

 

 

Innere Arbeit

Hier ist noch ein wichtiger Punkt, den ich erwähnen möchte, wenn es darum geht, sich innerlich frei zu machen: radikale Ehrlichkeit. Ich weiß nicht, wie ich es sonst bezeichnen soll.

Du musst mit dir selbst absolut ehrlich sein. Nicht anderen gegenüber. Aber dir. Keine Ausreden. Keine Rechtfertigungen.

Wenn die Kränkung kommt und sie dich verletzt, dann tu nicht so, als wäre es dir egal. Sag dir: Ja, es tut weh. Ich fühle mich klein. Nicht gesehen. Nicht ernst genommen. Du bist deswegen nicht schwach. Das ist menschlich.

Und mal ehrlich: Menschen können wirklich gemein sein.
Manche haben keinen Schliff und meinen es nicht einmal böse; andere wollen uns absichtlich wehtun.
Meistens sind sie selbst irgendwo gekränkt; sie haben auch ihre Wunden.

Und dann begegnen wir uns alle mit unseren Wunden und triggern uns gegenseitig. Das kann ja nur damit enden, dass irgendjemand leidet, wenn wir in unsere Wunden stechen.

Aber du bleibst jetzt ehrlich. Du gestehst dir ein, dass das wehtut. Und dann fragst du dich: Warum? Warum tut mir das weh?

Was glaube ich über mich und die Welt, dass dieses Gefühl ausgelöst hat?

Meist ist es eine Angst, die du hast:

  • Ich glaube, wenn ich kritisiert werde, dann bin ich nicht in Ordnung.
  • Ich glaube, dann mache ich etwas falsch.
  • Ich glaube, dass ich alles richtig machen muss, sonst bin ich nichts wert.

Aber erinnere dich: Es wird Menschen geben, für die wirst du es niemals richtig machen. Nicht, weil du es nicht richtig machst.

Es gibt zum Beispiel Menschen, die in allem und jedem nur Fehler suchen. Das ist ihr Ding, wenn du so möchtest. Fehler suchen. Auch in sich selbst. Und glaube mir, sie werden immer neue finden. Warum? Weil sie darauf programmiert sind: Fehler zu suchen.

Oder sie mögen dich eben nicht. Das heißt nicht, dass du nicht liebenswert bist. Das bist du. Aber eben nicht für diese Person. Na und?

Und weißt du was? Selbst wenn du tatsächlich etwas falsch gemacht hast: Jetzt ist es schon passiert. Lerne daraus, mache es das nächste Mal anders und … weiter geht’s.

Ich meine, bedeutet das nicht „leben“? Evolution? Wir machen Fehler, wir lernen etwas daraus, wir werden besser und immer so weiter.

Sag diesem gekränkten Teil in dir, er soll sich mal locker machen. Alle hier machen Fehler. ALLE.

Und die, die am meisten mit dem Finger auf dich zeigen, sind erstens Heuchler und haben zweitens wahrscheinlich den meisten Dreck am Stecken und versuchen von sich abzulenken.

Hier also eine Wahrheit: Du wirst Dinge falsch machen. Und das bedeutet nicht, dass du falsch bist oder irgendetwas mit dir nicht stimmt.

In Wahrheit bist du nämlich vollkommen. Aber nicht als Mensch in dieser Gesellschaft.

Aber ich kann dich beruhigen: Für diese Gesellschaft ist niemand vollkommen. Das haben wir alle gemein.
Und wer ist die Gesellschaft? Wir, genau. Und wir haben an jedem etwas auszusetzen. Vor allem an uns selbst.

Aber du bist mehr als ein Mensch in der Gesellschaft.

Einmal hat mich jemand gefragt, wie ein Mensch einfach wertvoll sein kann, ohne etwas zu leisten. Ich kann dir nicht sagen, wie traurig mich diese Frage macht.

So sehen wir uns also? So schauen wir uns an?
Du bist dann wertvoll, wenn du etwas tust, das ich sinnvoll finde?

Und ich kann euch aus Erfahrung im Gesundheitsberuf sagen, dass man, obwohl man Leuten hilft, die sich selbst nicht helfen können, auch nicht immer als wertvoll erachtet wird, sondern manchmal sogar sehr respektlos behandelt wird.

Was also ist Wert und wer verteilt ihn?
Wer sind wir, zu entscheiden, was Wert hat und was nicht?

Und wenn du ein Neugeborenes in den Armen hältst, was ist es: wertvoll oder nicht? Geleistet hat es ja noch nichts. Aber intuitiv wissen wir, dass es wertvoll ist – einfach weil es ist. Sein bloßes Sein, seine Existenz ist sein Wert.

Dinge mögen einen Wert haben, wenn wir ihnen einen beimessen.
Aber Bewusstsein ist kein Ding.

Bewusstsein ist das, in dem Wert als Konzept überhaupt erst erscheinen kann.

Und wo ist Bewusstsein?
Und wer ist Bewusstsein?

Bist das nicht du?

Du bist dir deiner Kränkung bewusst, sonst würdest du nicht nach einem Ausweg suchen wollen.

Du bist dir deiner Kränkung bewusst, sonst würdest du nicht nach einem Ausweg suchen wollen.
Und genau hier kann eine hilfreiche Frage entstehen:
Wer in dir nimmt diese Kränkung eigentlich wahr?

Gibt es vielleicht einen Teil in dir, der verletzt ist – und gleichzeitig etwas in dir, das diese Verletzung bemerkt?

Wenn du einen Moment bei dieser Frage verweilst, kann etwas Interessantes passieren:
Du bist nicht mehr nur mitten in der Kränkung gefangen, sondern beginnst, sie zu beobachten.
Und manchmal verändert sich dadurch schon etwas.

Vielleicht ist die Kränkung noch da. Aber du siehst sie in einem anderen Licht.

Irgendwann kommst du an den Punkt, wo es keine Rolle spielt, ob Kränkung da ist oder nicht. Weil du dich nicht mehr mit ihr identifizierst.

Wir nehmen das alles so wichtig. Nehmen uns so wichtig. Unsere Geschichte. Aber irgendwann ist das alles weg.

Wenn du es jetzt schon im großen Ganzen sehen kannst:
Ist es tatsächlich so schlimm, was jemand gesagt oder nicht gesagt hat?
Was ändert das wirklich an mir?
Vor allem, wenn ich es nicht an mich heranlasse?

Möchte ich derjenige sein, der es an sich heranlässt, der sich rechtfertigt und verteidigt?
Oder möchte ich derjenige sein, der meinen inneren Frieden wahrt?
Was, wenn ich eine Wahl habe?

Wie du dich auch entscheidest – ich würde mich freuen, dich beim nächsten Mal wiederzusehen.


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